5 Fragen, die dir aus der Schreibblockade helfen

5 Fragen, die dir aus der Schreibblockade helfen

Wie fühlt sich eine Schreibblockade an? Wenn du regelmäßig schreibst, kennst du das Gefühl wahrscheinlich. Du sollst weiterschreiben, zu Ende bringen, was du angefangen hast, aber in dir ist nichts außer innerem Widerstand und Unmut. Am liebsten würdest du aufgeben.  Aber, hey: Vielleicht können wir dein Schreibprojekt retten. 

Du suchst  Ausreden und findest ständig neue Gründe, warum du dich jetzt, in diesem Moment, auf gar keinen Fall an den Rechner setzen und weiterschreiben kannst. (Ich kenne das gut. Nie war meine Wohnung aufgeräumter und die Fenster sauberer als zu Zeiten, in denen ein langer Text fertig werden musste.)

Und wenn du es doch irgendwie an den Rechner schaffst, bist du unkonzentriert und kommst nicht ins Schreiben, von einem geschmeidigen Schreib-Flow gar nicht zu reden.

Vielleicht hast du dein Projekt innerlich schon abgeschrieben. Vielleicht erscheint es dir einfacher, es aufzugeben, damit du dich gedanklich gar nicht mehr damit beschäftigen musst.

Mir ist das schon passiert.

Und ärgere mich bis heute darüber.

Deswegen möchte ich dich ermutigen, dir dein brachliegendes Schreibprojekt noch einmal ganz bewusst anzuschauen.

Du kannst anschließend entscheiden, dass du es loslassen willst – auch das ist eine Lösung. Und sie kann dich befreien.

Für viel wahrscheinlicher halte ich aber ein anderes Szenario. Du kannst versuchen, deine Schreibblockade zu verstehen und zu durchbrechen – zielgerichtet und in Häppchen. Du setzt dich noch einmal bewusst mit deinem Text und deiner Motivation auseinander.

Du schaust genau und ehrlich hin.

Und dann schreibst du einfach weiter.

Okay?

Frage 1: Warum habe ich dieses Projekt begonnen?

Ein Schreibprojekt – egal ob Buch, Seminararbeit oder Blogartikel – beginnt mit einem starken „Warum“. Du hast dich ja nicht ohne Grund auf diesen Weg gemacht. Welche Gefühle hattest du, als du mit dem Schreiben angefangen hast?

Vorfreude, Hoffnung, Zuversicht? Was hat dich inspiriert? Was hast du erhofft?

Vielleicht Erfolg? Anerkennung? Brauchst du diesen Text, um in deinem Berufsleben weiterzukommen?

Vielleicht wolltest du dir ein Herzens- oder Lebensprojekt erfüllen?

Oder es geht um eine Geschichte, die unbedingt erzählt werden muss – und nur du kannst sie erzählen?

Vielleicht kann dein Text anderen Menschen helfen und sie inspirieren?

All das sind starke und gute Gründe, nicht aufzugeben.

Ihretwegen bist du überhaupt erst losgegangen.

Hör in dich rein, ob die Erinnerung an deine ursprüngliche Motivation deine Begeisterung neu entfachen kann. Schreib auf, was dich damals bewegt hat und welche Vision du mit deinem Projekt verwirklichen wolltest.

Schau dir die Liste an. Welche Gefühle löst das Geschriebene in dir aus? Kannst du neue Energie und Motivation daraus schöpfen? Reichen sie aus, um weiterzugehen?

 

„I hate writing, I love having written.“

Dorothy Parker 

 

Frage 2: Welche Hindernisse stehen mir im Weg?

Überlege, was genau dich davon abhält, weiterzuschreiben. Zeitmangel? Inspirationslosigkeit? Selbstzweifel? Angst? Perfektionismus?

Bei mir selbst ist es so, dass ich es oft gar nicht genau benennen kann. Eine bewährte Technik aus der Schreibberatung ist es in so einem Fall, sich an eine Schreibblockade aus der Vergangenheit zu erinnern, die man überwunden hat. Allein der Gedanke daran, dass man es schon mal geschafft hat, setzt positive Energie frei.

Was hat dir damals geholfen und kann es dir jetzt wieder helfen?

Falls du dein konkretes Problem kennst, überlege gezielt, was du dagegen tun kannst. Bei Zeitmangel könnte es dir zum Beispiel helfen, wenn du dir Schreibzeit im Kalender blockst und konsequent und ohne Unterbrechungen in dieser Zeit schreibst. (Ja, ein bisschen Selbstdisziplin gehört auch dazu).

Mach eine Liste mit Schreibhindernissen (du merkst, ich liebe Listen) und überlege dir für jedes Hindernis eine mögliche Lösung.

Brich die Blockade in überschaubare Stücke und versuche, jedes einzelne mit einer kleinen, gezielten Strategie zu überwinden.

 

Frage 3: Was habe ich bisher gelernt?

Diese Frage lenkt den Fokus auf das Positive und den Fortschritt, den du schon gemacht hast. Frag dich: Was habe ich durch dieses Projekt bisher gewonnen?

Vielleicht hast du deinen Schreibstil verbessert oder neue Techniken erlernt. Oder du weißt jetzt so viel mehr über das Thema, über das du schreibst.

Mach dir eine Liste (!) mit allem, was du bisher gelernt hast, und betrachte die einzelnen Punkte als Erfolge.

Überlege, ob sie dich motivieren können, weiterzumachen. Sieh deinen Text als etwas Gutes.

 

Frage 4: Was wäre der kleinste nächste Schritt, den du machen könntest?

Anstatt dich von der Größe des gesamten Projekts überwältigen zu lassen, konzentriere dich auf den nächsten kleinen, machbaren Schritt.

Schreib einfach einen nächsten Absatz. Recherchiere etwas, das du brauchst, um das nächste Kapitel zu schreiben. Überarbeite das Geschriebene oder einen Teil davon.

Schon ein kleiner Fortschritt kann dich wieder in den Tritt, ins Schreiben bringen.
Du bekommst die Zuversicht zurück, dass du es schaffen kannst.

 

Frage 5: Was würde passieren, wenn ich weitermache?

Was passiert im besten Fall, wenn du weitermachst? Welche Erfolge könntest du feiern, wenn du dein Projekt abschließt?

Wie würde es sich anfühlen? Wärst du stolz? Erfüllt? Glücklich?

Vielleicht berührst du mit deinem Text Menschen, denen du helfen kannst.  Oder er eröffnet dir neue berufliche Chancen.

Wie sehr wächst du in deiner persönlichen Entwicklung, wenn du diese Herausforderung meistert?

Visualisiere dir den Moment, in dem du deinen Text veröffentlichst.  Stell dir vor, wie du von deinen Lesern positives Feedback  bekommst.

Wenn du dir klarmachst, dass du all das erreichen kannst, bündelst du – vielleicht, hoffentlich –  genügend Energie, um deinem Ziel entschlossen und mit Selbstdisziplin entgegenzugehen.

Vergiss nicht: Es ist ein Text. Keine Weltraummission ♥️

 

Falls du aber – trotz allem – nicht ins Schreiben kommst: Ich schreib‘ für dich! Buch‘ dir ein kostenloses Infogespräch mit mir.

Blogparade: Über das Schreiben schreiben

Blogparade: Über das Schreiben schreiben

Schreiben über das Schreiben? Ja, das geht – in einer Blogparade. Ich nehme die wunderbare Idee von Anna Koschinski auf, über das Schreiben zu schreiben (den Link zur Blogparade gibt es hier). Eine schöne, persönliche Schreibaufgabe, aber keine einfache. Wo fange ich an?

Vielleicht an einem Tag vor vielen Jahren. 

 

Der Haiku-Tag: Lektionen in Demut

25 angehende Redakteure im Volo-Kurs der Presse-Akademie. Hinter uns liegen zwei Wochen klassische Journalisten-Ausbildung im Jahr 2001: Reportage, Gerichtsbericht, Layout, Presserecht, Bildauswahl, Theaterrezension, Kommentar und Glosse.

Für den letzten Tag steht „Kreatives Schreiben“ im Seminarprogramm. Wir sind alle erschöpft und leergeschrieben und freuen uns auf einen wenig anstrengenden Tag mit einem netten Thema.

In den Raum tritt ein älterer, etwas zerzauster Mann. Ich ahne noch nicht, dass er mein künftiges Schreiben mehr beeinflussen wird als jeder andere der Lehrer und Dozenten.

Wir werden an diesem Tag acht Stunden lang nichts anderes machen als Haikus schreiben.

Ein Haiku ist ein klassisches japanisches Gedicht. Die kürzeste Gedichtform, die es gibt. Extreme Verdichtung. Extreme Konzentration. Die Essenz eines Gefühls, einer Landschaft oder eine Sache in drei Zeilen. Fünf Silben in der ersten Zeile, sieben in der zweiten und fünf in der dritten.

 

Ein Mensch schreibt mit einer Feder asiatische Schriftzeichen auf ein Papier.

Hier geht es ums Schreiben an sich

25 angehende Redakteure stöhnen. Uns dämmert, dass dieser letzte auch der anstrengendste Tag des Kurses werden wird. Wir sind es gewohnt, schnell gefällige, einfach lesbare Texte herunterzuschreiben.

Das hier ist etwas anderes. Hier geht es um das Schreiben an sich. Auch um unsere Einstellung zum Schreiben. Die Haikus fordern uns stärker als jede andere Schreibaufgabe im Kurs.

Wenn wir nicht Haikus schreiben müssen – und wir sind dankbar für jede Pause – zerpflückt der Seminarleiter unsere eingereichten Beiträge. Angewidert liest er Sätze aus unseren Zeitungsartikeln vor, spuckt uns Füllwörter und Adjektive entgegen, macht sich über Floskeln und Synonyme lustig.

 

Sechs Learnings: Die Macht der Worte

Was ich an diesem Tag lerne:

  1. Worte haben Macht.
  2. Jedes Wort zu viel ist ein Wort zu viel.
  3. Verben sind die Stars unter den Worten. Investiere deine Zeit in die Suche eines passenden Verbs.
  4. Füllwörter, Floskeln, ausgetretene Bilder, Sprichworte, Adjektive oder Gemeinplätze machen Texte schlecht, langweilig und austauschbar.
  5. Journalisten haben die verdammte Pflicht, sprachlich gute Texte zu schreiben.
  6. Was immer du tust, benutze niemals ein Synonym-Lexikon.

 

Bewusster schreiben

Natürlich benutzte ich weiterhin Füllwörter und Adjektive. Aber ich reduzierte sie, dachte beim Schreiben darüber nach, welches Wort mein Satz wirklich braucht und ob ich nicht auf die Schnelle noch irgendwo ein cooles Verb auftreibe.

Texte, die konsequent nach der „Haiku-Methode“ geschrieben werden, lesen sich oft pathetisch, schwer, tragend, gekünstelt. Heute schreiben wir anders, mehr, wie wir sprechen: Leichter, alltagstauglicher, weniger von oben herab.

Aber: Der Haiku-Tag hat etwas Grundsätzliches an meinem Schreiben geändert.

 

Titelfoto zum Thema

Schreiben im Umbruch

Schreiben ist heute im Umbruch. In einem äußeren und für mich persönlich in einem inneren.

Der äußere Umbruch zeichnet sich schon seit vielen Jahren ab, begann mit Internet und sozialen Medien und gipfelt jetzt im Schreiben der Chatbots, der Künstlichen Intelligenz. Dieses Thema treibt mich um und ich schreibe auch regelmäßig darüber. Schreiben mit KI ist ein tiefer Einschnitt in unsere Kulturgeschichte, in unsere Art zu lernen und zu denken.

Aufmerksamkeit im digitalen Zeitalter

Schreib- und Lesekonventionen haben sich stark verändert. Wir lesen heute anders, scrollen an Texten entlang, scannen nur einige Worte, bleiben mit unserer Aufmerksamkeit an schnell zu erfassenden Bullet Points und an Bildern oder Videos hängen.

Algorithmen als neue Leserschaft

Wir optimieren unsere Texte nicht mehr danach, ob sie sprachlich und stilistisch ausgefeilt sind, ob sie unsere Fantasie beflügeln, ob sie klug oder kreativ sind, ob ihre Worte andere Menschen berühren.

Wir optimieren sie mit immer feineren Methoden hin zu einem einzigen, übergeordneten Ziel: Dass der Algorithmus eines US-Konzerns sie indiziert und optimal ausspielt.

 

Kugel auf einer Tastatur, AI, Pink und Gelb. Ersetzt der Chatbot bald das Schreiben?

Andere Worte, neue Regeln

Geändert haben sich auch der Ton und mit ihm die Sprache, die sich geschrieben dem Gesprochenen angenähert hat, andere Worte nutzt, neue Regeln festgelegt hat.

Was ich in meiner Journalistenausbildung gelernt und viele Jahre praktiziert habe, gilt nur noch teilweise. Aber das sehe ich, wie jede Veränderung, als eine Chance.

 

Mein persönliches Schreiben

Der innere Umbruch ist vergleichsweise banal. Als Redakteurin habe ich beruflich geschrieben und damit mein Geld verdient. Jetzt schreibe ich unter anderem einen Blog und muss aus der professionellen Distanz auf eine persönliche Ebene wechseln, die mir manchmal schwerfällt.

Struktur mit Journaling

In meinem persönlichen Schreiben profitiere ich davon, dass ich vor einigen Jahren mit dem Journaling angefangen habe. Ich nutze es zum Planen, es hilft mir, meinen Tag und meine Arbeit zu strukturieren.

Ein Gamechanger für alle, die sich gerne mal verzetteln. Ich nutze Journaling auch zur Reflexion. Und manchmal einfach dazu, um mir etwas Aufwühlendes von der Seele zu schreiben.

Ein Zimmer für mich allein

Ich liebe dieses einfache, analoge Tool. Es ist ein Zimmer für mich allein, ein Ort, an den ich immer gehen kann, den ich nach meinen Wünschen einrichte und der nur mir gehört.

 

Frau beim Schreiben. Man sieht nur ihre Hand mit schwarz lackierten Fingernägeln. Sie schreibt in ein Notizbuch, in der Nähe liegt ein Laptop.

Schreiben als Wissenschaft

In meiner Fortbildung zur Schreibberaterin habe ich mich im vergangenen Jahr zum ersten Mal mit Schreibforschung und bewusst mit meinem eigenen Schreiben auseinandergesetzt. Wie schreibe ich? Was für ein Schreibtyp bin ich? Wo habe ich Blockaden? Wie ist meine Schreibbiografie und was kann ich aus ihr lernen?

Jeder, der professionell schreibt, profitiert davon, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Sie sind auch Teil der Schreibberatung, die ich anbiete.

Ich lerne viel Theorie. Ich lerne Schreibstrategien kennen. Konzepte. Was eine „authentische Schreibaufgabe ist“ (eine Aufgabe, die vom Schreibenden als sinnvoll empfunden wird) und wie wichtig das für unsere Motivation und die Qualität des Textes ist.

Lernen, während wir schreiben

Lange geht es um das Prinzip „Writing to learn“. Der Hintergrund dieses Ansatzes ist spannend. Er stützt sich auf die Erkenntnis, dass unsere Gehirn Informationen effektiver verarbeitet, wenn es aktiv in den Lernprozess einbezogen wird.

Beim Schreiben passiert genau das: Wir empfangen nicht nur passiv, sondern erschaffen und reflektieren im Schreibprozess aktiv. Das schärft unser Denken und ermöglicht es, komplexe Ideen in eigenen Worten zu erklären, was wiederum das tiefe Verständnis fördert. Wir denken im Schreiben.

Was mit KI verloren geht

Was also geht verloren, wenn wir künftig noch mehr und vielleicht irgendwann nur noch mit KI-Tools schreiben? Wenn der Schreibprozess sich auf die Eingabe, das Prompten, am Anfang und das Redigieren und Optimieren am Ende der Textproduktion reduziert?

Vielleicht ist die Aufregung auch übertrieben und die neue Technologie eröffnet uns und unserem Gehirn andere, ebenso kreative Räume und neue Möglichkeiten des Lernens und Verstehens.

Hat Textverarbeitung uns unkreativer gemacht?

Ich kann mich noch daran erinnern, was die damals neue Textverarbeitung mit meinem Schreiben gemacht hat. Als es plötzlich möglich wurde, aus dem linearen Schreiben auszubrechen, Worte zu löschen, Sätze, Absätze zu ändern und zu verschieben. Das Schreiben wurde leicht.

Bis heute schreibe ich so: Ich lösche und ersetze ständig Worte, Satzteile, Sätze, Absätze oder füge neue hinzu.  Lese den geschriebenen Satz noch mal durch, ändere etwas am Rhythmus oder schmeiße ein Füllwort raus. Fange den nächsten Satz an, lösche Teile davon wieder und so geht es weiter.

Hat uns Textverarbeitung unkreativer gemacht? Nein.

 

Wie geht es mit Meinem Schreiben weiter?

Seit ich selbstständig bin, muss ich mein Schreiben oft umdenken. Ich lerne Verkaufstexte zu schreiben. Das hat mit meinem journalistischen Schreiben wenig zu tun. Aber es schließt sich der Kreis zu den Haikus. Werbetexte sind kurz und prägnant und spielen mit verdichteten, auf ihre Essenz reduzierten Botschaften.

Ich muss persönliche Texte schreiben, wie diesen hier. Das fällt mir oft schwer. Ich bin es gewohnt, hinter den Worten unsichtbar zu bleiben.

Schreiben fühlt sich zurzeit ein bisschen merkwürdig an, in einem Umbruch. In einem Übergangstadium, in dem meine Schreibstimme erst wieder einen Raum finden muss.

 

Wofür will ich stehen?

Wofür ich stehen will: Für menschliches Schreiben – egal, was Maschinen künftig tun oder lassen. Für Texte, die etwas über das Leben erzählen. Über persönliche Erfahrungen, Geschichten, Gefühle, Fehler und Überzeugungen. In denen die Schreibstimme eines Autors oder einer Autorin zu hören ist.

 

Vielleicht möchtest du dich mit deiner eigenen Schreibbiografie beschäftigen? Wenn du dich zu meinem Newsletter anmeldest, bekommst du als Dankeschön mein  Workbook „Wo dein Schreiben beginnt“.

Eine Liebeserklärung an das Lesen: Die 1. Stuttgarter Buchmesse 2024

Eine Liebeserklärung an das Lesen: Die 1. Stuttgarter Buchmesse 2024

Buchmesse in Stuttgart. Buchmesse? In Stuttgart? Fast. Die 1. Stuttgarter Buchmesse fand am 9. März BEI Stuttgart statt, in Fellbach, und große Erwartungen hatte ich nicht. Wer bitte schön verirrt sich nach Fellbach, um ein paar Bücher anzuschauen?

Vor der Schwabenlandhalle ein Menschenauflauf, kurze Irritation, aber diese Menschen sind nicht wegen Büchern hier. Sie demonstrieren für Vielfalt und Frieden (was auch schön ist).

 

Regionale Autoren und Selfpublisher im Fokus

Zur Messe geht‘s um die Halle herum, zum Hintereingang. Aha, denke ich ernüchtert. Doch auch hier stehen Menschen, viele Menschen und die sind jetzt wirklich wegen der Bücher hier. Die Menge schlängelt sich über den Platz und wird in 20er-Blöcken eingelassen, viele junge Frauen unter ihnen.

 

 

 

Nach 30 Minuten bin ich drin (kann mich nicht erinnern,  jemals irgendwo 30 Minuten wegen Büchern angestanden zu haben), stehe in einer proppenvollen Halle vor liebevoll dekorierten Büchertischen, oft in zweiter Reihe wegen des großen Andrangs.

 

Auf der 1. Stuttgarter Buchmesse in Fellbach. Blick in den Ausstellungsraum.

Lässt sich die Liebe zum Lesen spüren? Mein subjektives Empfinden: Ja! In Fellbach!

 

New Romance, Fantasy und Krimis: Die neuen Lieblingsgenres 

Hier stellen Autoren aus kleineren und regionalen Verlagen und Selfpublisher aus, unterhalten sich ausgiebig mit den Messebesuchern, viele der Autoren und Autorinnen haben eine junge Fanbase, begeisterte Leser und Leserinnen, die extra zur Messe angereist sind.

Die neuen Genres heißen: Romance, Romantasy, Dark Romance, Young Adult oder New Adult. Oft schreiben die Autoren und Autorinnen ganze Reihen, viele Bücher haben auffallend gestaltete Cover.

Weitere Schwerpunkte an den Messetischen: Krimis, Fantasy, historische Romane und Kinderbücher.

 

Die Bücher finden am Samstag zügig Abnehmer, an vielen Tischen zeigt ein „Ausverkauft“-Schild an, dass die mitgebrachten Exemplare vergriffen sind.

 

Eine Liebesgeschichte in New York: Ich könnte ewig zuhören

Dann eben vorlesen lassen!

Über 20 Lesungen sind anberaumt, ich erwische die der Stuttgarter Autorin Lucinde Hutzenlaub, die ihren historischen Roman „In Liebe, Deine Paula“ vorstellt.

Es geht um Paula, die in Gablenberg aufgewachsene Großmutter der Autorin. Paula wandert in den 1930er Jahren nach New York aus und wird Dienstmädchen bei den Rockefellers. Ich könnte ewig zuhören! Es stört nicht mal das ohrenbetäubende „Imagine“ der Demonstranten auf dem Platz vor der Halle, das in den Mörikesaal dröhnt.

 

Glücklich mit Leselicht

Irgendetwas möchte ich aber kaufen, auch wenn es kaum noch Bücher gibt. Ich stoppe vor  einem schwarzen Kasten in Augenhöhe, den man mit Vorhängen verdunkeln kann.

Eine kleine Lampe, an der Brille befestigt, bringt so viel Helligkeit dort hinein, dass ich die an der Kastenwänden aufgeklebten Texte lesen kann. Juhu, ein Leselicht! Gekauft.

 

Später Nachmittag. Unbeirrt schieben sich Mensch durch die Tischreihen. Es wird diskutiert, in Büchern geblättert, fotografiert, gelacht.

Eine unerwartete Liebeserklärung an das Lesen. Eine New Romance. In Fellbach.

 

Der Termin für die zweite „Stuttgarter“ Buchmesse steht schon fest: 22. Februar 2025.

Infos zu den Veranstaltern Stefan Zeh und Ann-Katrin Zellner gibt es hier:  https://stuttgarter-buchmesse.de/veranstalter/

Und hier die offizielle Seite.

Buch-Tipp: Wie Künstliche Intelligenz unsere Welt verändert

Buch-Tipp: Wie Künstliche Intelligenz unsere Welt verändert

Miriam Meckel und Léa Steinacker tauchen in ihrem Buch „Alles überall auf einmal“ tief ins Thema KI ein. Verständlich und unterhaltsam erklären sie, warum ein Verständnis der generativen Sprachmodelle für jede und jeden von uns wichtig ist. Und machen klar: Welches Szenario auf uns wartet, liegt in unserer eigenen Verantwortung. 

 

Eine Chinesin hat Schwierigkeiten mit ihrer Steuererklärung. Dieser lapidare Satz kündigt auf einem Langstreckenflug der Autorinnen den Film „Everything Everywhere All at Once“ an. Das Werk aus dem Jahr 2022, mit sieben Oscars ausgezeichnet, ist titelgebend für Miriam Meckels und Léa Steinackers Mitte Februar erschienenes Buch „Alles überall auf einmal“. Es bietet einen spannenden Einblick in aktuelle Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz.

 

Denn anders als der langweilige Teaser im Flieger vermuten lässt, erzählt der Film in einem Affentempo und hart geschnitten eine wahnwitzige Geschichte aus dem Multiversum, einer Welt mit unendlich vielen alternativen Realitäten und Möglichkeiten.

 

Komplex und überfordernd

Der Film sei eine Metapher für die Zeit, in der wir uns bewegen, konstatieren die Autorinnen. Ein Bild für unsere Überforderung und die Komplexität der aktuellen Veränderungen. Mit KI sind wir zwar schon lange konfrontiert – in den sozialen Medien, auf Netflix, bei Amazon oder in der Medizin – ohne, dass wir bisher darüber groß nachgedacht haben.

 

Der iPhone-Moment der Künstlichen Intelligenz

Der „iPhone-Moment“ kam aber erst mit der Veröffentlichung von ChatGPT Ende November 2022. Seither sollte jedem oder jeder, der oder die den Chatbot von Open AI oder eines der anderen KI-Tools ausprobiert, dämmern, welches Potenzial die Technologie entfalten kann – und wird.

Und was das für uns, unsere Art zu schreiben, zu denken, zu forschen, zu lernen und ganz allgemein für unsere Arbeit und unser Leben in naher Zukunft bedeuten wird.

 

Zwischen Faszination und Unsicherheit

Deep Fakes, Halluzinationen, antrainierte Vorurteile, Realitätsverzerrung, Datenschutzprobleme: Es gibt viele Gründe, der neuen Technologie zu misstrauen.

Angst entsteht oft durch Unsicherheit vor etwas Neuem, durch Halbwissen, durch „Sich-gar-nicht-erst-Rantrauen“. Hier setzen Miriam Meckel und Léa Steinacker an: Mit einem Blick in die Geschichte der KI (die mit der Vision einer klugen Frau begann), mit Szenarien, die sowohl Chancen als auch Gefahren der generativen Sprachmodelle aufzeigen. Und einer durchaus kritischen Sicht auf aktuelle Entwicklungen.

 

Ein Problem: Textinzest

Ein Problem von vielen: Textinzest.  Für die großen Sprachmodelle, mit Milliarden Worten trainiert, seien die digital verfügbaren Originaltexte nahezu ausgelesen, erläutern die Autorinnen: Anschließend trainiere generative KI vor allem mit Texten, die sie selbst erschaffen hat.

Ein „Selbstverstärkungsmechanismus, in dem der Remix wächst und die Originalität schrumpft“.

Die Folge: Die Modelle werden immer schlechter darin, gute Inhalte auszuwerfen, machen Fehler – und kollabieren irgendwann.

 

Chancen und Risiken generativer Sprachmodelle

Die Autorinnen tauchen tief ins Thema ein, betrachten es aus wirtschaftlicher, soziologischer, philosophischer, praktischer und biologischer Perspektive – und öffnen uns damit verständlich, klug und unterhaltsam einen Raum, der uns die komplexen Zusammenhänge nachvollziehen lässt. Und das sei für jede und jeden für uns entscheidend, sagen sie: „Nichtwissen ist (…) die sichere Voraussetzung dafür, von der modernen Dampfmaschine namens KI überrollt zu werden“.

 

 

Die Zukunft der Arbeit in Zeiten der KI

Alle Prognosen sagen vorher, dass die generativen Sprachmodelle vor allem die hochbezahlten Jobs von gut ausgebildeten Wissensarbeitern gefährden werden.

Eine Kränkung, die alles, was uns in der Arbeitswelt als sicher galt, in Frage stellt und entwertet.

Darauf muss es Antworten geben, Rahmenbedingungen von der Politik. Aber auch Perspektiven für jeden Einzelnen.

 

Lesen und schreiben in der digitalen Welt

Was bedeutet es etwa, wenn nachfolgende Generationen das Lesen und Schreiben nach und nach verlernen, weil sie es nicht mehr anwenden müssen? „Wer Schrift erlernt, im Lesen wie im Schreiben, übt sich darin, unsere komplexe Welt zu verstehen“, heißt es im Buch.

Schreiben eröffne, übe und diszipliniere das Denken. Im Umkehrschluss: „Je mehr KI die Welt beschreibt, desto weniger werden wir in der Lage sein, ihre Komplexität (durch Sprache) zu erfassen“.

Die Welt verschwimmt.

 

KI entzaubert

An vielen Stellen im Buch entzaubern Meckel und Steinacker die neue Technologie, zeigen ihre Grenzen. Ja, wir können jetzt mit Maschinen sprechen. Aber schon der Begriff „Intelligenz“ sei unscharf und führe zu Missverständnissen.

Intelligenz, wie wir sie verstehen, setze ein Bewusstsein voraus. Eine Biologie, Hormone, Gefühle wie Neugier oder Interesse, Erfahrungen. Liebe.

 

Gefahr oder Chance: Es liegt an uns

Das Buch entlässt uns mit zwei erdachten Szenarien: Einer Dystopie und einem optimistischen Ausblick.

Und mit einem fiktiven Gespräch zwischen den Welten und Epochen: Evelyn (fiktive Waschsalonbesitzerin aus „Everything Everywhere All at Once“), und die (realen) Vordenker der Künstlichen Intelligenz, Ada Lovelace und Alan Turing, diskutieren die Grenzen von und zwischen Menschen und Maschinen.

Wie die Geschichte ausgeht,  liegt an uns.

 

 

Die Autorinnen

Miriam Meckel ist Professorin für Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen, als Gastprofessorin lehrte sie an der Universität Harvard, in Singapur, New York und in Wien.

Léa Steinacker ist Sozialwissenschaftlerin und Unternehmerin, studierte in Princeton und Harvard und promovierte an der Universität St. Gallen über die sozialen Auswirkungen von künstlicher Intelligenz.

Quelle: Rowohlt Verlag

 

 

 

 

Cover des Buches: Alles überall auf einmal von Miriam Meckel und Léa Steinacker

Miriam Meckel, Léa Steinacker: Alles überall auf einmal. Wie Künstliche Intelligenz unsere Welt verändert und was wir dabei gewinnen können. Rowohlt, 2024, 400 Seiten, 26 Euro.

Hier gibt es eine Leseprobe

Authentisch Schreiben: Warum deine Schreibstimme zählt

Authentisch Schreiben: Warum deine Schreibstimme zählt

Authentisch schreiben – was bedeutet das? Wenn wir authentisch schreiben, bauen wir eine echte Verbindung zu unseren Lesern auf und schaffen Vertrauen. Wir zeigen uns mit unseren Werten, Erfahrungen und Gefühlen. Und: Unsere Schreibstimme ist ein Alleinstellungsmerkmal. 

Könnt ihr auch manchmal Texte, Bücher, Blogartikel eindeutig einem Autor oder einer Autorin und seiner oder ihrer Schreibstimme zuordnen? Oft erkennen wir eine bestimmte Art, Sätze zu bilden oder aneinanderzureihen. Einen besonderen, sarkastischen Ton. Bilder, Metaphern, Wortzusammenstellungen, die der Autor oder die Autorin auf eine ihm oder ihr eigene Weise nutzt. Ob jemand kitschig oder umständlich schreibt.

Manchmal können wir die Schreibstimme auch gar nicht an etwas Bestimmtem festmachen. Wir lesen einfach den oder die Schreibende(n) aus seinem oder ihrem Text heraus.

 

Finde deine Schreibstimme

Diese Schreibstimme hat viel mit Authentizität zu tun. Das Wort ist arg strapaziert. Ich möchte es hier trotzdem benutzen.

Authentizität bedeutet Echtheit, Glaubwürdigkeit, Sicherheit, Verlässlichkeit, Wahrheit.

Warum authentisch schreiben trotz KI-Hype zählt

Authentisch zu schreiben, wird mit dem KI-Hype ein immer selteneres Gut werden. Und gleichzeitig ein wertvolles. Ich weiß nicht, wie es dir geht. Aber wenn ich KI-generierten Content lesen möchte, dann frage ich ChatGPT direkt – und mache nicht den Umweg über den Blogartikel eines oder einer anderen. Warum auch?

 

Menschliches Schreiben überzeugt

Authentisch zu schreiben bedeutet, Gedanken, Gefühle und Überzeugungen in Worte zu fassen, ohne dabei die Erwartungen anderer zu erfüllen. Im Kontext deines Blogs oder deiner Website hilft dir authentisches Schreiben, eine echte Verbindung zu deinem Publikum aufzubauen. Mit menschlichem Schreiben. Mit deiner Schreibstimme. Mit deinen eigenen Gedanken.

Das ist manchmal anstrengend und fordernd. Aber es lohnt sich. Denn nur so kannst du aus dem weichgespülten KI-Einheitsbrei herausleuchten: Mit deiner Persönlichkeit, deinen eigenen, manchmal schrägen Formulierungen. Den Worten, die du in dir trägst.

 

Authentische Texte schaffen Vertrauen

Authentizität schafft die Basis für Vertrauen. Authentische Texte zeigen, dass hinter den Worten ein echter Mensch mit echten Erfahrungen steht. Das erfordert Mut. Ich selbst bin ein eher introvertierter Mensch und möchte mich in meinen Texten gar nicht so gerne als Person zeigen.

Dazu kommt, dass Schreiben aus der Ich-Perspektive in meinem journalistischen Leben tabu war. Deswegen habe ich außer in einigen Meinungsartikeln viele Jahre lang geschrieben, ohne mich selbst jemals zu erwähnen. Und auch heute fällt es mir noch schwer.

 

Um mit unseren Texten aus der Masse herauszuleuchten und eine Beziehung zu unseren potenziellen Kunden aufzubauen, muss unsere Schreibstimme aber zu hören sein. Und in unserem Blog, unseren Website- und Verkaufstexten müssen wir über uns erzählen.

 

Tipps für mehr Authentizität in deinen Texten

 

Wie machen wir das? Hier kommen vier Tipps:

 

  1. Erzähle deine Geschichte

Du hast eine einzigartige Geschichte, wie du zu dem Punkt gekommen bist, an dem du jetzt stehst. Zeige, dass hinter dir als Autor, hinter deinem Unternehmen oder deiner Marke eine echte Person steht. Beachte unbedingt den Unterschied zwischen „Persönlichem“ und „Privatem“. Überleg, was du mit deinen Lesern teilen willst, mach dich nahbar, aber nicht angreifbar.

 

  1. Sprich in deiner eigenen Stimme

Wenn wir wissen, dass unser Text veröffentlicht wird, fällt es uns oft schwer, authentisch zu schreiben. Vielleicht versuchen wir eine formelle oder „professionelle“ Stimme anzunehmen. Oder uns fällt gar nichts mehr ein. Oft hilft es, wenn du einfach mal drauflosschreibst, genauso, wie die Worte sich in dir formen. So, wie du sprichst. Vielleicht ist stilistisch nicht alles perfekt, aber du klingst nach dir. Deine Leser und Leserinnen schätzen Echtheit und fühlen sich eher zu jemandem hingezogen, der „menschlich“ und erreichbar erscheint.

 

Zur Übung kannst du einfach täglich ein bisschen ohne inneren Zensor schreiben. Tipps dazu findest du in meinen Blogartikeln zum Freewriting und zum Journaling.

 

  1. Zeige deine Leidenschaft

Leidenschaft ist ansteckend. Wenn du über die Dinge schreibst, für die du brennst, wird dir das Schreiben leichtfallen und du kannst begeistern. Mein Vorschlag ist, dein Schreiben in drei Schritte aufzuteilen und jeden einzeln für sich zu bearbeiten.

Schreibe erstmal drauflos, erschaffe deinen Text. In einem zweiten Schritt überarbeitest du diesen Text inhaltlich.  Und in einem dritten machst du ihn veröffentlichungsreif.

Das bedeutet: Um Korrekturen, Zwischenüberschriften, Suchmaschinenoptimierung und Bebilderung kümmerst du dich erst, wenn dein kreativer Schreibprozess abgeschlossen ist.

 

  1. Setze KI sparsam und sinnvoll ein

Ja, ein Chatbot ist ein verführerisches Tool, wenn es darum geht, schnell und einfach Texte zu verfassen. Ich verteufle die KI nicht, im Gegenteil: Ich nutze sie und lerne immer weiter dazu. Mein Tipp: Nutze ChatGPT oder ein anderes Tool gerne, lass dir bei der Gliederung, den Zwischenüberschriften, deinem Redaktionskalender  und beim Brainstorming helfen. Aber schreib deine Texte selbst.

Deine Leser möchten dich hören, nicht irgendeinen Bot.

 

Ich unterstütze dich gerne

Wenn es dir schwerfällt, deine Schreibstimme zu finden, authentisch zu schreiben oder du Schwierigkeiten hast, überhaupt mit dem Schreiben anzufangen, ist meine Schreibberatung vielleicht etwas für dich. Melde dich gerne unverbindlich für ein erstes Gespräch bei mir.

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