Was wäre, wenn wir überhaupt nicht aus unseren Fehlern lernen würden, wie immer behauptet wird – sondern aus Wertschätzung? Wertschätzung für alles, was wir gut machen, womit wir andere erreichen, berühren? Wenn wir in unseren Texten nicht nur die Fehler, das Unzulängliche sehen, um es dann zu verbessern? Sondern den Fokus auf die gelungenen, die guten Passagen legten? Die schön gezeichneten Figuren, die stimmigen Dialoge?

Schreiben mit Wohlfühlfaktor

Mit diesem Konzept arbeitet Gateless Writing, eine kreative Schreibmethode, die auf die US-amerikanische Autorin und Schreibtrainerin Suzanne Kingsbury zurückgeht. Die Methode basiert auf Erkenntnissen der Hirnforschung, nutzt sowohl Entspannungs- als auch bekannte Kreativtechniken wie das „Freewriting“ und ergänzt diese um einen warmen Mantel aus Wertschätzung. Genau, was ich brauche!

Auf der Suche nach der eigenen Schreibstimme

Es ist mein erster Workshop im kreativen Schreiben. In meinem journalistischen Leben ging es bislang immer nur um das Resultat, den handwerklich perfekten, leserfreundlichen Text. Jetzt soll es ein Wochenende lang nur um mich und mein Schreiben gehen. Das war jedenfalls der Plan.

Ich buche ein Wochenend-Seminar bei Christine Kämmer, fünf zweistündige Sessions, von Freitagabend bis Sonntagnachmittag und fahre ins Allgäu, um in Ruhe zu schreiben.

Entspannung und Vorbereitung: Meditation und Musik

Sechs Frauen und ein Mann nehmen teil. Einige arbeiten an ihren Buchprojekten, andere sind, wie ich, auf der Suche nach ihrer eigenen, verschütteten Schreibstimme.

Innerhalb der Sessions gibt es eine klare Struktur, das hilft die Konzentration aufrecht zu erhalten. Am Anfang steht eine kurze Entspannungsmeditation. Wer das nicht mag, kann auch einfach nur der Musik lauschen. Es folgt ein Schreibimpuls, ein Thema oder ein Wort, und alle Teilnehmer schreiben genau zehn Minuten lang, assoziativ, was ihnen dazu in den Sinn und in die Schreibhand schießt. Dafür steht das „Gateless“ – ohne Schranken und inneren Kritiker.

Die Kunst des Zuhörens und des positiven Feedbacks

Der fast wichtigere Teil kommt danach. Wir lesen einzeln unsere Texte vor und jeder Teilnehmer gibt Feedback. Wertschätzendes Feedback, Konzentration auf das Positive, das Schöne, das Stimmige. Christine Kämmer nennt es auf ihrer Website einen „stärkenbasierten Zugang“.

Perspektivwechsel: Vom Defizit zum Wert des Geschriebenen

Entscheidend sind das genaue Zuhören und Wortefinden. Mir fällt sofort auf, wie sehr mein Fokus bei Texten auf dem Defizit, den handwerklichen Fehlern liegt. Wie wenig Worte ich habe für das, was gut ist. Für die Leistung des Schreibers oder der Schreiberin, die Bilder und Gefühle, die ihre Texte auslösen. Aber genau das ist für meine Arbeit als Lektorin wichtig. Ich lerne also, meinen Fokus zu verschieben, die Texte anders zu hören. Unter anderem diesen Benefit nehme ich mit aus dem Workshop.

Das Schreiben selbst macht großen Spaß. Die Miniatur, also die „kleine Form“ kommt mir entgegen. Schön ist auch, dass sich schon nach kurzer Zeit ein entspanntes Gruppengefühl entwickelt, wovon auch das Schreiben profitiert.

Wohlig-warme Schreib-Impulse

Wer sich nach wohlig-warmen Schreib-Impulsen sehnt, wer seinen oder ihren inneren Zweifler zu einem nachhaltigen, beleidigten Schweigen bringen will, der oder die ist bei Gateless Writing genau richtig.

www.suzannekingsbury.net

www.christinekaemmer.com

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