Buch-Tipp: Wie Künstliche Intelligenz unsere Welt verändert

Buch-Tipp: Wie Künstliche Intelligenz unsere Welt verändert

Miriam Meckel und Léa Steinacker tauchen in ihrem Buch „Alles überall auf einmal“ tief ins Thema KI ein. Verständlich und unterhaltsam erklären sie, warum ein Verständnis der generativen Sprachmodelle für jede und jeden von uns wichtig ist. Und machen klar: Welches Szenario auf uns wartet, liegt in unserer eigenen Verantwortung. 

 

Eine Chinesin hat Schwierigkeiten mit ihrer Steuererklärung. Dieser lapidare Satz kündigt auf einem Langstreckenflug der Autorinnen den Film „Everything Everywhere All at Once“ an. Das Werk aus dem Jahr 2022, mit sieben Oscars ausgezeichnet, ist titelgebend für Miriam Meckels und Léa Steinackers Mitte Februar erschienenes Buch „Alles überall auf einmal“. Es bietet einen spannenden Einblick in aktuelle Entwicklungen der Künstlichen Intelligenz.

 

Denn anders als der langweilige Teaser im Flieger vermuten lässt, erzählt der Film in einem Affentempo und hart geschnitten eine wahnwitzige Geschichte aus dem Multiversum, einer Welt mit unendlich vielen alternativen Realitäten und Möglichkeiten.

 

Komplex und überfordernd

Der Film sei eine Metapher für die Zeit, in der wir uns bewegen, konstatieren die Autorinnen. Ein Bild für unsere Überforderung und die Komplexität der aktuellen Veränderungen. Mit KI sind wir zwar schon lange konfrontiert – in den sozialen Medien, auf Netflix, bei Amazon oder in der Medizin – ohne, dass wir bisher darüber groß nachgedacht haben.

 

Der iPhone-Moment der Künstlichen Intelligenz

Der „iPhone-Moment“ kam aber erst mit der Veröffentlichung von ChatGPT Ende November 2022. Seither sollte jedem oder jeder, der oder die den Chatbot von Open AI oder eines der anderen KI-Tools ausprobiert, dämmern, welches Potenzial die Technologie entfalten kann – und wird.

Und was das für uns, unsere Art zu schreiben, zu denken, zu forschen, zu lernen und ganz allgemein für unsere Arbeit und unser Leben in naher Zukunft bedeuten wird.

 

Zwischen Faszination und Unsicherheit

Deep Fakes, Halluzinationen, antrainierte Vorurteile, Realitätsverzerrung, Datenschutzprobleme: Es gibt viele Gründe, der neuen Technologie zu misstrauen.

Angst entsteht oft durch Unsicherheit vor etwas Neuem, durch Halbwissen, durch „Sich-gar-nicht-erst-Rantrauen“. Hier setzen Miriam Meckel und Léa Steinacker an: Mit einem Blick in die Geschichte der KI (die mit der Vision einer klugen Frau begann), mit Szenarien, die sowohl Chancen als auch Gefahren der generativen Sprachmodelle aufzeigen. Und einer durchaus kritischen Sicht auf aktuelle Entwicklungen.

 

Ein Problem: Textinzest

Ein Problem von vielen: Textinzest.  Für die großen Sprachmodelle, mit Milliarden Worten trainiert, seien die digital verfügbaren Originaltexte nahezu ausgelesen, erläutern die Autorinnen: Anschließend trainiere generative KI vor allem mit Texten, die sie selbst erschaffen hat.

Ein „Selbstverstärkungsmechanismus, in dem der Remix wächst und die Originalität schrumpft“.

Die Folge: Die Modelle werden immer schlechter darin, gute Inhalte auszuwerfen, machen Fehler – und kollabieren irgendwann.

 

Chancen und Risiken generativer Sprachmodelle

Die Autorinnen tauchen tief ins Thema ein, betrachten es aus wirtschaftlicher, soziologischer, philosophischer, praktischer und biologischer Perspektive – und öffnen uns damit verständlich, klug und unterhaltsam einen Raum, der uns die komplexen Zusammenhänge nachvollziehen lässt. Und das sei für jede und jeden für uns entscheidend, sagen sie: „Nichtwissen ist (…) die sichere Voraussetzung dafür, von der modernen Dampfmaschine namens KI überrollt zu werden“.

 

 

Die Zukunft der Arbeit in Zeiten der KI

Alle Prognosen sagen vorher, dass die generativen Sprachmodelle vor allem die hochbezahlten Jobs von gut ausgebildeten Wissensarbeitern gefährden werden.

Eine Kränkung, die alles, was uns in der Arbeitswelt als sicher galt, in Frage stellt und entwertet.

Darauf muss es Antworten geben, Rahmenbedingungen von der Politik. Aber auch Perspektiven für jeden Einzelnen.

 

Lesen und schreiben in der digitalen Welt

Was bedeutet es etwa, wenn nachfolgende Generationen das Lesen und Schreiben nach und nach verlernen, weil sie es nicht mehr anwenden müssen? „Wer Schrift erlernt, im Lesen wie im Schreiben, übt sich darin, unsere komplexe Welt zu verstehen“, heißt es im Buch.

Schreiben eröffne, übe und diszipliniere das Denken. Im Umkehrschluss: „Je mehr KI die Welt beschreibt, desto weniger werden wir in der Lage sein, ihre Komplexität (durch Sprache) zu erfassen“.

Die Welt verschwimmt.

 

KI entzaubert

An vielen Stellen im Buch entzaubern Meckel und Steinacker die neue Technologie, zeigen ihre Grenzen. Ja, wir können jetzt mit Maschinen sprechen. Aber schon der Begriff „Intelligenz“ sei unscharf und führe zu Missverständnissen.

Intelligenz, wie wir sie verstehen, setze ein Bewusstsein voraus. Eine Biologie, Hormone, Gefühle wie Neugier oder Interesse, Erfahrungen. Liebe.

 

Gefahr oder Chance: Es liegt an uns

Das Buch entlässt uns mit zwei erdachten Szenarien: Einer Dystopie und einem optimistischen Ausblick.

Und mit einem fiktiven Gespräch zwischen den Welten und Epochen: Evelyn (fiktive Waschsalonbesitzerin aus „Everything Everywhere All at Once“), und die (realen) Vordenker der Künstlichen Intelligenz, Ada Lovelace und Alan Turing, diskutieren die Grenzen von und zwischen Menschen und Maschinen.

Wie die Geschichte ausgeht,  liegt an uns.

 

 

Die Autorinnen

Miriam Meckel ist Professorin für Kommunikationsmanagement an der Universität St. Gallen, als Gastprofessorin lehrte sie an der Universität Harvard, in Singapur, New York und in Wien.

Léa Steinacker ist Sozialwissenschaftlerin und Unternehmerin, studierte in Princeton und Harvard und promovierte an der Universität St. Gallen über die sozialen Auswirkungen von künstlicher Intelligenz.

Quelle: Rowohlt Verlag

 

 

 

 

Cover des Buches: Alles überall auf einmal von Miriam Meckel und Léa Steinacker

Miriam Meckel, Léa Steinacker: Alles überall auf einmal. Wie Künstliche Intelligenz unsere Welt verändert und was wir dabei gewinnen können. Rowohlt, 2024, 400 Seiten, 26 Euro.

Hier gibt es eine Leseprobe

Authentisch Schreiben: Warum deine Schreibstimme zählt

Authentisch Schreiben: Warum deine Schreibstimme zählt

Authentisch schreiben – was bedeutet das? Wenn wir authentisch schreiben, bauen wir eine echte Verbindung zu unseren Lesern auf und schaffen Vertrauen. Wir zeigen uns mit unseren Werten, Erfahrungen und Gefühlen. Und: Unsere Schreibstimme ist ein Alleinstellungsmerkmal. 

Könnt ihr auch manchmal Texte, Bücher, Blogartikel eindeutig einem Autor oder einer Autorin und seiner oder ihrer Schreibstimme zuordnen? Oft erkennen wir eine bestimmte Art, Sätze zu bilden oder aneinanderzureihen. Einen besonderen, sarkastischen Ton. Bilder, Metaphern, Wortzusammenstellungen, die der Autor oder die Autorin auf eine ihm oder ihr eigene Weise nutzt. Ob jemand kitschig oder umständlich schreibt.

Manchmal können wir die Schreibstimme auch gar nicht an etwas Bestimmtem festmachen. Wir lesen einfach den oder die Schreibende(n) aus seinem oder ihrem Text heraus.

 

Finde deine Schreibstimme

Diese Schreibstimme hat viel mit Authentizität zu tun. Das Wort ist arg strapaziert. Ich möchte es hier trotzdem benutzen.

Authentizität bedeutet Echtheit, Glaubwürdigkeit, Sicherheit, Verlässlichkeit, Wahrheit.

Warum authentisch schreiben trotz KI-Hype zählt

Authentisch zu schreiben, wird mit dem KI-Hype ein immer selteneres Gut werden. Und gleichzeitig ein wertvolles. Ich weiß nicht, wie es dir geht. Aber wenn ich KI-generierten Content lesen möchte, dann frage ich ChatGPT direkt – und mache nicht den Umweg über den Blogartikel eines oder einer anderen. Warum auch?

 

Menschliches Schreiben überzeugt

Authentisch zu schreiben bedeutet, Gedanken, Gefühle und Überzeugungen in Worte zu fassen, ohne dabei die Erwartungen anderer zu erfüllen. Im Kontext deines Blogs oder deiner Website hilft dir authentisches Schreiben, eine echte Verbindung zu deinem Publikum aufzubauen. Mit menschlichem Schreiben. Mit deiner Schreibstimme. Mit deinen eigenen Gedanken.

Das ist manchmal anstrengend und fordernd. Aber es lohnt sich. Denn nur so kannst du aus dem weichgespülten KI-Einheitsbrei herausleuchten: Mit deiner Persönlichkeit, deinen eigenen, manchmal schrägen Formulierungen. Den Worten, die du in dir trägst.

 

Authentische Texte schaffen Vertrauen

Authentizität schafft die Basis für Vertrauen. Authentische Texte zeigen, dass hinter den Worten ein echter Mensch mit echten Erfahrungen steht. Das erfordert Mut. Ich selbst bin ein eher introvertierter Mensch und möchte mich in meinen Texten gar nicht so gerne als Person zeigen.

Dazu kommt, dass Schreiben aus der Ich-Perspektive in meinem journalistischen Leben tabu war. Deswegen habe ich außer in einigen Meinungsartikeln viele Jahre lang geschrieben, ohne mich selbst jemals zu erwähnen. Und auch heute fällt es mir noch schwer.

 

Um mit unseren Texten aus der Masse herauszuleuchten und eine Beziehung zu unseren potenziellen Kunden aufzubauen, muss unsere Schreibstimme aber zu hören sein. Und in unserem Blog, unseren Website- und Verkaufstexten müssen wir über uns erzählen.

 

Tipps für mehr Authentizität in deinen Texten

 

Wie machen wir das? Hier kommen vier Tipps:

 

  1. Erzähle deine Geschichte

Du hast eine einzigartige Geschichte, wie du zu dem Punkt gekommen bist, an dem du jetzt stehst. Zeige, dass hinter dir als Autor, hinter deinem Unternehmen oder deiner Marke eine echte Person steht. Beachte unbedingt den Unterschied zwischen „Persönlichem“ und „Privatem“. Überleg, was du mit deinen Lesern teilen willst, mach dich nahbar, aber nicht angreifbar.

 

  1. Sprich in deiner eigenen Stimme

Wenn wir wissen, dass unser Text veröffentlicht wird, fällt es uns oft schwer, authentisch zu schreiben. Vielleicht versuchen wir eine formelle oder „professionelle“ Stimme anzunehmen. Oder uns fällt gar nichts mehr ein. Oft hilft es, wenn du einfach mal drauflosschreibst, genauso, wie die Worte sich in dir formen. So, wie du sprichst. Vielleicht ist stilistisch nicht alles perfekt, aber du klingst nach dir. Deine Leser und Leserinnen schätzen Echtheit und fühlen sich eher zu jemandem hingezogen, der „menschlich“ und erreichbar erscheint.

 

Zur Übung kannst du einfach täglich ein bisschen ohne inneren Zensor schreiben. Tipps dazu findest du in meinen Blogartikeln zum Freewriting und zum Journaling.

 

  1. Zeige deine Leidenschaft

Leidenschaft ist ansteckend. Wenn du über die Dinge schreibst, für die du brennst, wird dir das Schreiben leichtfallen und du kannst begeistern. Mein Vorschlag ist, dein Schreiben in drei Schritte aufzuteilen und jeden einzeln für sich zu bearbeiten.

Schreibe erstmal drauflos, erschaffe deinen Text. In einem zweiten Schritt überarbeitest du diesen Text inhaltlich.  Und in einem dritten machst du ihn veröffentlichungsreif.

Das bedeutet: Um Korrekturen, Zwischenüberschriften, Suchmaschinenoptimierung und Bebilderung kümmerst du dich erst, wenn dein kreativer Schreibprozess abgeschlossen ist.

 

  1. Setze KI sparsam und sinnvoll ein

Ja, ein Chatbot ist ein verführerisches Tool, wenn es darum geht, schnell und einfach Texte zu verfassen. Ich verteufle die KI nicht, im Gegenteil: Ich nutze sie und lerne immer weiter dazu. Mein Tipp: Nutze ChatGPT oder ein anderes Tool gerne, lass dir bei der Gliederung, den Zwischenüberschriften, deinem Redaktionskalender  und beim Brainstorming helfen. Aber schreib deine Texte selbst.

Deine Leser möchten dich hören, nicht irgendeinen Bot.

 

Ich unterstütze dich gerne

Wenn es dir schwerfällt, deine Schreibstimme zu finden, authentisch zu schreiben oder du Schwierigkeiten hast, überhaupt mit dem Schreiben anzufangen, ist meine Schreibberatung vielleicht etwas für dich. Melde dich gerne unverbindlich für ein erstes Gespräch bei mir.

Emotionen beim Schreiben: Was die KI nicht kann

Emotionen beim Schreiben: Was die KI nicht kann

Nutzt du schon ChatGPT oder ein anderes KI-Tool für deine Texte? Vermutlich schon. Ich auch. Aber mich treibt immer noch die Frage um, was verloren geht, wenn wir Texte „produzieren lassen“. Und dabei bin ich eigentlich ein Fan von neuen Tools und neuer Technik.

 

Die emotionale Bedeutung des Schreibens: Warum Schreiben mehr als nur Text ist

Wenn wir persönliche Texte schreiben – Tagebuch, ein Journal, einen Wochenrückblick, einen persönlichen Blogartikel oder einfach nur Notizen – geht es nicht nur um das Festhalten von Informationen. Schreiben macht etwas mit uns. Im Schreibprozess verarbeiten wir Gedanken und Gefühle. Wir lernen während des Schreibens, wir entwickeln uns persönlich weiter, wir reflektieren und ordnen ein. Wir ermutigen uns selbst, suchen Lösungen oder wollen in schwierigen Situationen einfach nur schreibend unseren Kummer loswerden.

Was uns oft nicht bewusst ist: Auch im beruflichen oder wissenschaftlichen Schreiben beeinflussen uns unsere Erfahrungen und Emotionen. Das wird deutlich, wenn wir über unser eigenes Schreiben nachdenken.

 

Meine Schreibroutine: Das Drama des ersten Satzes

Bei mir ist zum Beispiel der erste Satz immer ein Drama. Es kann eine Stunde vergehen, bis ich mal loslege. Erstmal Nüsse holen! Dann denke ich nach, brösele Nusssplitter in meine Tastatur. Dann schreibe ich ein Wort, vielleicht sogar einen halben Satz. Dann lösche ich alles wieder. Gehe in die Küche, schmier‘ ein Brot. Brösele wieder in die Tastatur. Fange neu an. Mach‘ Kaffee. Trinke. Hole ein Bonbon. Füttere den Hund. So geht das eine Weile.

Irgendwann sitzt der erste Satz. Dann kommt die Magie.

 

Flow oder die Magie des Schreibens

Es gibt keine Pausen mehr, keine Nüsse und kein Hundefutter. Nur noch meinen Rechner und meine Finger auf den Tasten. Oft lösche ich Worte oder Sätze, aber das macht nichts. Die Worte oder Sätze, die ich dann ersetze, sind besser, genauer. Jetzt weiß ich, dass ich weiterschreiben werde, bis der Text gut ist. Die Aufgabe hängt nicht mehr wie ein Kartoffelsack auf meinen Schultern. Der schöne Teil hat begonnen.

An meinem holprigen Einstieg in die Arbeit sieht man gut, wie sich in mir eine innere Spannung aufbaut, bis ein Anfang gemacht ist. Dass ich dann oft in einen „Flow“ gerate und den Text zügig herunterschreibe, kann auch daran liegen, dass ich viel Übung und das journalistische Schreiben wie ein Handwerk gelernt habe. Die Schreibhemmung, will man es denn so nennen, bezieht sich nur auf den Anfang. Vielleicht eine Art Angst vor dem leeren Blatt?

 

Schreibtechniken im Vergleich: Strukturschaffend vs. strukturfolgend

Deutlich wird auch, dass das Arbeiten mit der Tastatur und der Textverarbeitung mein Schreiben entscheidend beeinflusst. Arbeiten am Text bedeutet für mich ständiges Löschen, Ersetzen, Verbessern. Der Text entsteht in einer Art innerem „Ping-Pong“, einem Prozess, der sich wechselseitig während des Schreibens aufbaut und nährt. In der Schreibforschung nennt man das „strukturschaffendes Arbeiten“: Der Text, seine Gliederung, Kernthesen, Ideen entstehen im Schreiben.

Eine andere Herangehensweise ist das strukturfolgende Arbeiten: Hier entwirft der Schreibende zunächst eine Gliederung und baut ein Gerüst, das er nach und nach strukturiert mit Text füllt. (Das ist natürlich nur eine vereinfachte Erklärung der Schreib-Typen und es gibt auch viele Mischformen).

Exkurs: Welcher Schreib-Typ bist du? Hier kannst du zum Beispiel den Schreibtypen-Test der Uni Hamburg machen.

KI-Tools im Schreibprozess: Wie ChatGPT & Co. unser Schreiben verändern

Was hat das alles mit KI zu tun? Viel. Unsere Textproduktion ist seit der Veröffentlichung von ChatGPT in einem dynamischen Wandel, der vermutlich alle Schreibenden entweder schon erfasst hat oder erfassen wird. Chatbots verkürzen Schreibzyklen, helfen uns als kreative Partner bei der Themenfindung, Gliederung, Zusammenfassung von Texten und übernehmen oft auch schon den gesamten Schreibprozess.

Bei meiner komischen „Anfangsangst“ kann mir ein KI-Tool zum Beispiel gut helfen, schneller in den Textfluss zu kommen. Und ich nutze es auch schon für andere Aufgaben. Allerdings nicht, um zu schreiben.

 

Was KI im Schreibprozess nicht leisten kann: Die emotionale Lücke

Die Fragen, die ich mir stelle, sind: Würde sich mein Schreiben elementar ändern, wenn ich statt eines inneren „Ping-Pongs“ nur noch äußerlich redigiere? Also Texte, die der Bot nach meinen Vorgaben ausspuckt, nur noch bearbeite, anpasse, glätte? Meine komplette Schreibkompetenz würde sich aufs Redigieren und die Eingabe, das Prompten, reduzieren.

Was würde einem Text fehlen, der „ohne Gefühle“ entsteht? Ohne meine eigenen Erfahrungen? Würde ihm das Individuelle, Einzigartige fehlen? Oder würde es ihn, im Gegenteil, sogar besser machen? Gerade weil die persönlichen, subjektiven Elemente während des Entstehungsprozesses wegfallen? Weil es kein „zwischen den Zeilen“ mehr gibt? Gut möglich.

 

Zukunft des Schreibens: Automatisiertes vs. emotionales Schreiben

Was bliebe von dem zufriedenen Gefühl nach dem Schreiben? Den positiven Effekten, die ich eingangs für die persönlichen Texte beschrieben habe? Dieser emotional befriedigende, lernende, entlastende Teil des Schreibens kann uns die KI nicht abnehmen. Zumindest dieser innere, menschliche Prozess bleibt „in uns“, lässt sich nicht ins Außen verlagern.

Das Schreiben insgesamt wird sich durch die KI schnell verändern. Und dadurch wahrscheinlich auch die Emotionen beim Schreiben. Das wird vor allem auf junge Menschen zutreffen, die mit textgebender KI aufwachsen und schreiben lernen.

Bewusst bleiben sollte uns dabei, dass nicht nur unsere Emotionen das Schreiben beeinflussen. Sondern auch umgekehrt, das Schreiben unsere Emotionen.

Vielleicht wird es künftig zwei unterschiedliche Arten des Schreibens geben: Eine weitgehend automatisierte und standardisierte für unsere berufliche Textproduktion, für „Content“. Und eine persönliche, emotionale, künstlerische – für uns selbst.

Was meinst du? Schreib‘ gerne einen Kommentar.

Kreativtechniken für Schreibende

Kreativtechniken für Schreibende

In diesem Blogbeitrag geht es um Methoden, die unser Schreiben begleiten und uns helfen, unseren Schreibprozess voranzubringen.

(Du kannst den etwas sperrigen Theorieteil überspringen und gleich bei den Kreativitätsmethoden anfangen, indem du im Inhaltsverzeichnis auf die jeweilige Überschrift klickst.)

„Writer-Based Prose“ (oder „autorzentrierter Text“) ist ein Begriff aus der Rhetorik und der Schreibpädagogik, der (Hilfs-)Texte beschreibt, die hauptsächlich aus der Perspektive des Verfassers geschrieben und strukturiert sind und den eigentlichen Schreibprozess begleiten. 

Diese Texte spiegeln in erster Linie die Denkprozesse, Erfahrungen und das Verständnis des Autors wider, anstatt sich auf die Bedürfnisse und das Vorwissen der Leserschaft zu konzentrieren.

Beim Konzept des „Write to Learn“ wird das Schreiben als Werkzeug für das Lernen und das tiefe Verständnis von Inhalten genutzt. Es geht davon aus, dass das Schreiben selbst ein kognitiver Prozess ist, der das Lernen und Verstehen fördert. Beide Konzepte betonen den Wert des Schreibprozesses selbst, nicht nur den des fertigen Textes.

Im Schreibfluss bleiben: Schreibproblemen begegnen

Davon ausgehend haben sich Methoden und Techniken bewährt, die bei Schreibproblemen helfen und Schreibblockaden auflösen können. Die Methoden – wie Freewriting, Clustering oder das Führen eines Journals – helfen dabei, im Schreibfluss zu bleiben und den inneren Zensor zu umgehen.

Mit dem Tool ChatGPT (und Künstlicher Intelligenz ganz allgemein) hat nun ein neuer „Sparringspartner“ im Schreibprozess den Ring betreten. Einen verantwortungsbewussten Umgang vorausgesetzt, kann ein Chatbot Schreibende bei der Ideenentwicklung, der Strukturierung oder der Formulierung unterstützen.

Journaling

Journaling oder Tagebuch schreiben ist eine effektive Methode, um Schreibblockaden zu überwinden, auch im wissenschaftlichen Schreiben.

Es ermöglicht Schreibenden, Gedanken, Ideen, Fortschritte, Herausforderungen und Reflexionen über ihr Schreibprojekt aufzuzeichnen.

Ein Journal bietet einen sicheren Raum, um Frustrationen, Ängste, Zweifel und Erfolge auszudrücken. Dies kann dazu beitragen, Stress abzubauen und eine positivere Einstellung zum Schreiben zu fördern.

Alles in einem: Tagebuch, Reflexion, Kalender

Seit vielen Jahren praktiziere ich Journaling als eine Mischung aus Tagebuch, Reflexion, Kalender, Planer, Sammlung, Tracker, Kreativitäts-Tool und privatem Workspace. Am besten arbeite ich in einem hochwertigen Notizbuch mit dicken Seiten und mit schwarzer Tinte. Es ist eines meiner wichtigsten Kreativitäts- und Struktur-Instrumente und ich profitiere sehr davon.

Aufgrund meiner eigenen guten Erfahrung würde ich Journaling jederzeit weiterempfehlen. Jede/r Schreibende kann es individuell ihren/seinen Bedürfnissen, ihrer/seiner Motivation und ihren/seinen Schreibproblemen anpassen.

Clustern

Die Methode des Clusterns, die Gabriele L. Rico beschrieben hat, ist ein kreativer Prozess, der darauf abzielt, das Gehirn natürlicher und intuitiver zu nutzen als mit traditionellen linearen Methoden. Rico entwickelte die Methode zu einer Zeit, als es noch nicht üblich war, Texte auf Computern zu schreiben. Ein Text musste damals perfekt und konsequent vorgeplant sein. Löschen, Ausprobieren, Wörter verändern oder verschieben, copy & paste – all das war nicht möglich. Mit ihrem Konzept des Clusterns brach sie die Linearität des damaligen Schreibens auf.

Rico betont, dass unser Gehirn zwei Seiten hat – die rechte, kreative und intuitive Seite, und die linke, logische und analytische Seite. Sie behauptet, dass effektives Schreiben ein Gleichgewicht zwischen diesen beiden Hirnhälften erfordere. Clustering sei eine Methode, um beide Hirnhälften zusammenarbeiten zu lassen.

Der Schreibende beginnt mit einem so genannten Nucleus oder Kernwort, dem Kern der Idee oder des Themas, schreibt es in die Mitte eines leeren Blattes und umkreist es. Anschließend lässt man die Fantasie frei, assoziiert, schreibt alle Wörter und Phrasen auf, die einem in den Sinn kommen und verbindet diese in Linien zum Kernwort. Der Prozess wird für jedes neue Wort fortgeführt, bis eine Art „Karte“ aus Worten und Ideen, entstanden ist.

Thematische Tiefe finden: Ideen und Struktur für deinen Text

Clustern nach Gabriele L. Ricos Buch „Writing the Natural Way“ (deutsch: „Garantiert schreiben lernen“) zog sich als Empfehlung durch meine journalistische Ausbildung. Ich habe sie damals angewandt, um Themen zu finden oder einzukreisen oder auch, um Struktur in einen journalistischen Text zu bekommen.

Die Methode empfinde ich als vor allem zum Strukturieren von Texten sehr hilfreich. Empfehlen würde ich sie im wissenschaftlichen Arbeiten, um Unterthemen, Kapitel und Unterkapitel zu finden. Für literarische Projekte ist sie geeignet, um thematische Tiefe zu finden, sich einem Thema assoziativ anzunähern und so die ausgetretenen Wege zu verlassen.

Freewriting

Freewriting beschreibt einen Prozess, in dem der Schreibende kontinuierlich schreibt, ohne sich um Grammatik, Rechtschreibung oder den logischen Fluss der Gedanken zu sorgen. Ziel ist, den inneren Zensor auszuschalten und den Gedanken freien Lauf zu lassen.

Die Angst vor dem leeren Blatt und der Schreibaufgabe überwinden

Gute Methode, um ANZUFANGEN oder sich warm zu schreiben. Die Angst vor der leeren Seite und der Respekt vor der Aufgabe werden kleiner. Man schreibt ja schon. Funktioniert bei mir nur so mittel gut. Die eigentliche Aufgabe wird mit dieser Methode nur aufgeschoben.

Die Methode kann bei unerfahrenen Schreibern, denen das Schreiben an sich schon Respekt einflößt, innere Barrien abbauen. Ziel ist, den inneren Zensor auszuschalten. Der/Die Schreibende wird ermutigt, spontan zu schreiben und Assoziationen und Ideen zu erforschen, die sonst durch zu viel Selbstzensur unterdrückt würden.

KI als Sparringspartner

Chatbots wie ChatGPT eignet sich meiner Erfahrung nach sehr gut als Partner im Schreibprozess.  Ich kann die Unterstützung durch solche Tools Schreibenden – mit gewissen Auflagen – weiterempfehlen.

Wer im Schreibprozess ins Stocken gerät, kann sich neue Ideen und Wege vorschlagen lassen. Gut eignen sich die Sprachassistenten auch, um Inhalte (um-) zu strukturieren und zu gliedern. Wer nicht weiterkommt, kann sich Hilfe beim Formulieren holen (auch wenn das nicht sehr kreativ ist 😉).

Dem steht entgegen, dass Lernprozesse während des Schreibens möglicherweise verloren gehen, da der Bot dem Schreibenden diesen wichtigen Teil des „writing to learn“ abnimmt.

Creative Writing

Mit Creative Writing sind hier Methoden gemeint, die das literarische oder autobiografische Schreiben befeuern sollen. Es geht um Fantasie, Perspektive, Dialoge, das Prinzip: „Show, don’t tell“, den Mut, Geschichten zu erzählen oder zu erfinden.

Übungen aus dem Creative Writing, wie sie in neuerer Zeit etwa in den Büchern von Doris Dörrie („Leben, schreiben, atmen“, Diogenes, 2019) oder Jesse Falzoi angeregt werden, eignen sich sehr gut, um Schreibproblemen entgegenzutreten.

Profil schärfen: Spielerisch schreiberisches Selbstvertrauen aufbauen

Die Methode schärft das eigene Profil als schreibende Person. Sie schenkt schreiberisches Selbstvertrauen. Sie übt das Schreiben auf spielerische und kreative Weise ein.

Schreiben über das eigene Leben, Geschichtenschreiben, Gedichteschreiben oder überhaupt SCHREIBEN ist (so gut wie) immer eine Bereicherung. Und: Es macht Spaß!

Beispiel einer Creative- Writing-Aufgabe von Jesse Falzoi:

Der Film Yesterday spielt mit der Idee, dass es die Beatles niemals gegeben hat. Nur ein erfolgloser Musiker erinnert sich an sie. Stell dir nun vor, du bist der oder die einzige, der oder dich sich an ein wichtiges Ereignis erinnert. Schreibe eine Geschichte.

Mensch oder Maschine: Die Zukunft des Schreibens

Mensch oder Maschine: Die Zukunft des Schreibens

Mein gesamtes Berufsleben lang habe ich geschrieben.

Das Schreiben hat mich an meiner Arbeit immer am meisten interessiert. Wobei: Beschäftigt habe ich mich vor allem mit dem fertigen Text. Wie gut, wie originell, wie lesbar, wie auf den Punkt er geworden ist.

Es ging immer nur um den Text

Auch in meinen journalistischen Fortbildungen ging es immer nur um das Endprodukt, den Text. Was man weglassen soll. Was Phrasen sind, was Füllwörter. Wie man einen Text aufbaut, konzipiert, mit szenischem Einstieg, knackigen Zitaten, pointierten Schlusssätzen.

Worüber ich niemals nachgedacht habe: Was passiert eigentlich in uns selbst, wenn wir schreiben? Welche Prozesse durchlaufen wir, während unsere Gedanken sich über unsere Finger in Buchstaben verwandeln und dadurch für andere sichtbar werden? Bilder erschaffen, Gefühle erzeugen, Konzepte erklären?

Writing to learn: Der Prozess des Schreibens

Schreiben ist eine unglaublich komplexe Leistung unseres Gehirns. Erst in meiner Ausbildung zur Schreibberaterin habe ich angefangen,  mich mit diesen Fragen zu beschäftigen.

Ich las viel über Schreibforschung und lernte das Konzept „Writing to Learn“ kennen. Es besagt, dass während des Schreibens in unserem Gehirn Prozesse ablaufen, die weit über die Textproduktion hinausgehen. Sie sind für das Lernen und das Verständnis von neuem Wissen unentbehrlich. Und: Wir verarbeiten schreibend auch Emotionen, bewältigen Vergangenes.

Schreiben ist also viel mehr als Textproduktion. Jeder, der Tagebuch schreibt, weiß das.

Kreativ schreiben? – Gedanken zur KI

Was bedeutet das alles nun vor dem Hintergrund der Zäsur, die uns mit der Veröffentlichung von ChatGPT und den anderen generativen Sprachmodellen seit November 2022 dramatisch sichtbar geworden ist?

 

 

 

 

 

 

 

ChatGPT App auf dem Handy.

Die KI ändert alles: Schreiben, Lernen, Kommunizieren

Die Art, wie wir schreiben, aber auch unser Lernen, unser Kommunizieren wird sich grundlegend ändern – ob uns das gefällt oder nicht.

Generative Sprachmodelle haben einerseits ein enormes kreatives Potenzial und können kreative Kräfte in uns fördern und freilegen. Wahrscheinlich werden sie die Art, wie wir denken beschleunigen, verändern.

Was geht verloren, wenn wir nicht mehr selbst schreiben?

Andererseits möchte ich nicht, dass der (menschliche) Prozess des Schreibens verloren geht. Ich nutze ChatGPT, aber es gibt schon Fragen, die wir diskutieren sollten.

  • Wollen wir (persönlich und allgemein) den Prozess des Schreibens komplett an eine Maschine abgeben?
  • Was geht verloren, wenn wir nicht mehr selbst schreiben?
  • Was macht es mit Lernenden, wenn sie komplexe Themen nicht mehr schreibend begreifen, weil eine Maschine diesen Prozess übernimmt?
  • Was passiert mit unserer Sprache, mit unseren Worten und den Sätzen, die wir ins uns haben? Die vielleicht nicht perfekt sind, die wir zusammensuchen müssen, für die wir Zeit brauchen – aber die es trotzdem wert sind, geschrieben zu werden?

Sogar ChatGPT findet das schwierig…

Spaßeshalber habe ich ChatGPT mit meiner letzten Frage gefüttert. Hier ist seine/ihre Antwort:

„Wenn wir das Schreiben an Maschinen abgeben, erleben wir zweifellos eine Veränderung in unserer Sprache und in der Art und Weise, wie wir uns ausdrücken. Hier sind einige Aspekte, die betroffen sein könnten:

  1. Verlust der Individualität: Jeder von uns hat eine einzigartige Weise, sich auszudrücken – unsere „Stimme“. Diese kann durch unsere Wortwahl, unseren Rhythmus, unseren Ton und unsere Perspektive definiert sein. Maschinen können Muster und Stile lernen, aber sie können nicht wirklich eine individuelle menschliche Stimme oder Persönlichkeit replizieren. Daher könnte der Verlust des selbstgeschriebenen Wortes zu einer Homogenisierung der Sprache führen.
  2. Ausdruck von Emotionen und Feinheiten: Menschliche Sprache ist unglaublich nuanciert. Wir können subtile Stimmungsänderungen, Ironie, Sarkasmus und andere komplexe Emotionen in unsere Worte einfließen lassen. Obwohl KI-Modelle immer besser darin werden, solche Nuancen zu erkennen und zu reproduzieren, sind sie immer noch weit davon entfernt, menschliche Emotionalität perfekt zu erfassen.
  3. Verlust des Lernprozesses: Schreiben ist nicht nur eine Form der Kommunikation, sondern auch eine Art des Denkens und Lernens. Indem wir unsere Gedanken in Worte fassen und aufschreiben, können wir neue Einsichten gewinnen, unsere Ideen klären und kritische Denkfähigkeiten entwickeln. Wenn wir aufhören zu schreiben, verpassen wir diese wichtige Gelegenheit zur persönlichen und intellektuellen Entwicklung.
  4. Gefahr der Manipulation: Während KI dazu beitragen kann, unsere Ausdrucksfähigkeit zu erweitern, besteht auch die Gefahr, dass sie missbraucht wird, um die menschliche Kommunikation zu manipulieren. Beispielsweise könnten „Deepfake“-Texte erstellt werden, die vorgeben, von einer bestimmten Person geschrieben worden zu sein, oder es könnten automatisierte Propagandatexte verbreitet werden.

Letztendlich kann die Automatisierung des Schreibens sowohl Vorteile als auch Herausforderungen mit sich bringen. Es ist wichtig, sich dieser möglichen Auswirkungen bewusst zu sein und darüber nachzudenken, wie wir Technologie in einer Weise nutzen können, die die menschliche Kreativität und Individualität respektiert und fördert.“ 

Soweit ChatGPT.

 

KI-generierter Text: Irgendwie seltsam

Abgesehen davon, dass die KI hier in ihrer in Sekunden erstellten Antwort in Vielem recht hat: Ich finde den Text nicht leserfreundlich. Viele Fremdworte. Komplizierte Sätze. Seltsame Tonalität.

Meine Erfahrung mit dem Bot bisher: Für viele „Gebrauchstexte“ mag das Ergebnis reichen, oder es lässt sich durch kluges und mehrteiliges Prompten verfeinern. Für mein eigenes Schreiben nutze ich die KI vorläufig nur fürs Grobe: Für erste Textgliederungen. Für Zusammenfassungen. Als Ideenspeicher. Als Sparringspartner beim Texten. Aber die Entwicklung geht rasend schnell weiter. Ich bin gespannt, wohin sie uns Schreibende führt.

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